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Ronneburg

Ronneburg

Ort, PLZ: Ronneburg , 07580

Standort: evangelische Kirche St. Marien

Baujahr: 1879

Erbauer: Ladegast, Friedrich

Art der Arbeiten: Restaurierung

Jahr der Überarbeitung: 1993

System: mechanische Schleifladen

Werke: Hauptwerk, Oberwerk und Schwellwerk C-f´´´; Pedal C-d´

Registeranzahl: zweiunddreißig

Winddruck: Manuale: 65 mm WS; Pedal: 75 mm WS

Stimmtonhöhe: 445 Hertz bei 18°C

Stimmungsart: gleichstufig temperiert

Mit der Restaurierung der historisch wertvollen Ladegast-Orgel, die der große Meister als op. 87 erbaute und 1879 aufstellte, ist ein Werk wieder hergestellt, das glücklicherweise, bis auf die im ersten Weltkrieg abgelieferten Prospektpfeifen, original vorgefunden werden konnte. Der 1818 geborene Friedrich Ladegast kann ohne Übertreibung zu den bedeutendsten Orgelbauern des 19. Jh. In Deutschland gezählt werden. Seine Instrumente wurden von hochrangigen Komponisten, Organisten und Musikpublizisten bewundert und gerühmt.

„Der Charakter dieses Werkes unterscheidet sich wesentlich von dem aller anderen Orgeln. An Kraft und Fülle, beim Gebrauch des vollen Werkes, kommt sie wohl den besten gleich. Einzig in ihrer Art ist sie in den sanfteren Stimmen. Es ruht ein Wohllaut, ein Schmelz darin, wie ich ihn bei anderen Orgeln noch nie gehört. Der Klang ist, um die Hauptsache mit einem Wort zu bezeichnen, poetischer Natur.“
Musikpublizist Franz Brendel

Immer wieder werden namenhafte Musiker von der Ronneburger Ladegastorgel angezogen, darunter Hanns Ander-Donath (1898 – 1964), der letzte Organist der Dresdner Frauenkirche vor deren Zerstörung, und von 1962 bis zu seinem Tod Kantor in Ronneburg, ist darunter ebenso vertreten wie die Gewandhausorganisten Matthias Eisenberg und Michael Schönheit.

„Die in der Stadtkirche zu Ronneburg befindliche Orgel des bekannten Orgelbauers Friedrich Ladegast gehört zu den wertvollsten historischen Instrumenten Thüringens. Ihr Vorzug gegenüber anderen Ladegast’schen Instrumenten vergleichbarer Größe liegt in ihrem nahezu originalem Erhaltungszustand (nur ein Register wurde . . . umdisponiert). Die Ronneburger Orgel ist die einzig original erhaltene dreimanualige Ladegastorgel. Dreimanualige Instrumente beispielsweise in Rudolstadt, Weißenfels oder Altenburg wurden sehr stark verändert. Überdies steht dieses Ronneburger Instrument in einem akustisch sehr günstigen Raum.“
Gewandhausorganist Michael Schönheit

Wie konnte sich Ronneburg die Dienste eines so bedeutenden Orgelbaumeisters überhaupt leisten? Eine Chronik aus dem Jahre 1880 gibt darüber zukunftsweisende Auskunft:

„ . . . daß die Erneuerung (gemeint ist hier die totale Innen-renovierung der Marienkirche, die 1874 begonnen hatte) ihren schönsten Abschluß durch eine von der hiesigen Sparkasse gestiftete am 2. Pfingtsfeiertage 1879 eingeweihte prachtvolle Orgel, gefertigt von dem berühmten Ladegast, erhielt.“

„Die neue Orgel, von Ladegast in Weißenfels um 11 500 Mk. gebaut, wurde erst 1879 aufgestellt. Zur Deckung der Kosten kam ein Legat von 300 Thlr. Von einem Bürger 1875 gemacht und eine Verwilligung von 2600 Thlr. aus den Überschüssen der Sparkasse.“
Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogtums Sachsen-Altenburg“ (Löbe):

Eine besonders akkurate und stabile Bauweise, eine außerordentlich verlaufende und dazu leichgängige Traktur, den erfolgreichen Einsatz des Barkerhebels und nicht zuletzt die Prägung eines charakteristischen und doch der Zeit angepassten Klanges – dies alles zeichnet die Orgeln Friedrich Ladegasts aus. Zur Zeit des Meisters wandelte sich der Orgelbau grundlegend – in technischer und klanglicher Hinsicht: Die Kegellade, zunächst noch mechanisch angesteuert als Vertreterin der Registerkanzellenlade, hielt Einzug in die Orgeln des 19. Jahrhunderts. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich auch der Geschmack im Hinblick auf die Orgelmusik und Ladegasts Klangbild galt als „veraltet“. Leider sind viele seiner Werke verschwunden oder verkommen und so ist dieses nahezu original erhaltene Instrument eine besondere Entdeckung.

Es ist ein Glücksumstand, daß eine im Zuge der Orgelbewegung geplante Umdisponierung im Jahr 1962 nicht durchgeführt wurde. Nur der freie Stock der Trompete 8 ‘ im Hauptwerk – es ist bis heute nicht nachzuweisen, ob dieses Register jemals dort gestanden hat – wurde damals mit Sifflöte 1 ‘ besetzt.

Auch technisch handelt es sich hier um ein spätes und daher besonders ausgereiftes Werk des Meisters: Die mechanische Tontraktur ist strahlenförmig geführt und im Hauptwerk mit den beiden Manualkoppeln sowie einer Barkermaschine versehen. Die überraschend einfach angelegte  Barkermaschine arbeitet erfreulich wirkungsvoll und zuverlässig. Die Pedalkoppel spielt mit besonderen Ventilen (dreifach beledert) in das Hauptwerk ein. Die Windkästen sind mit Fangleisten und Messingpulpeten versehen.

Den extremen Umweltbedingungen durch den Uranbergbau der Wismut waren jedoch selbst die von Ladegast verwendeten hochwertigen Materialien und seine solide Bauweise nicht gewachsen. Die Restaurierung der Orgel sollte sich der Innenrenovierung der Kirche anschließen, in deren Zuge gleichzeitig die farbliche Neugestaltung des Orgelgehäuses erfolgte, die nicht der Originalfassung von Ladegast entspricht, sondern der Farbgebung des Raumes angepasst wurde. Ein Schwerpunkt der Restaurierung lag auf den völlig ausgespielten Trakturen. Mechanischer Verschleiß, ungünstige klimatische Verhältnisse und ein unsachgemäß und übermäßiger Einsatz von Holzschutzmitteln in den 70-iger Jahren hatten bewirkt, dass alle Metallteile sehr stark korrodiert waren und sich die Lederteile förmlich auflösten. Alle Teile wurden von der Korrosion befreit bzw. erneuert, insbesondere auch die durch den früheren Wurmbefall geschädigten Holzteile. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Restaurierung des Pfeifenwerks. Schmutz und Holzschutzmittel hatten sich hier zu einer dicken Kruste verbunden, die die ursprüngliche Klangschönheit der Pfeifen verschleierte. Dem aufwändigen Entfernen dieser Kruste folgte die Rückführung der in den letzten Jahrzehnten teils stark veränderten Intonation. Die fehlende Trompete 8 ‘ des Hauptwerks wurde nach originalen Vorlagen (Mensuren entsprechen der Ladegastorgel in Altenburg) angefertigt. Leider fehlten die Mittel für eine Rekonstruktion der Prospektpfeifen. Die Intonation erfolgte in strenger Anlehnung an die originale Klanggestaltung Ladegasts. Bei sämtlichen Restaurierungsarbeiten galt stets der Grundsatz der weitestmöglichen Substanzerhaltung und Erforschung des Originalzustandes – ein Unterfangen, welches zum Teil mehr Aufwand erfordert als eine entsprechende Erneuerung.

„O Plaget den Lehrling hier nicht mehr ! ……….
Sondern nur einen Katzenbuckel mach
Dummheit und Schlechtigkeit gegenüber !!“
Bleistiftinschrift in der Orgel vom März 1883

>> nähere Informationen


Informationsblatt zur Orgel in Ronneburg

Disposition Ronneburg evangelische Kirche

Bilder der Ladegast – Orgel in Ronneburg

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