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Orlamünde

Orlamünde

Ort, PLZ: Orlamünde, 07768

Standort: St. Marienkirche

Baujahr: 2000

Erbauer: Rösel & Hercher Orgelbau

Art der Arbeiten: Neubau

System: mechanische Schleifladen

Werke: Hauptwerk und Oberwerk C-g´´´, Pedal C-f´

Registeranzahl: zwanzig

Winddruck: 78 mm WS

Stimmtonhöhe: 440 Hz bei 15°C

Stimmungsart: gleichstufig temperiert

Der historische und reich verzierte Prospekt in Orlamünde, dem einstigen Stammsitz der Grafen von Orlamünde, geht zurück auf den Orgelbauer Christian Sigismund Voigt aus Uhlstädt. Er erschuf hier 1782 das zweite Orgelwerk der St.Marienkirche. Laut Kirchenchronik hatte zuvor bereits ein Instrument von 1580 existiert.

Die zinnernen Orgelpfeifen des Voigt’schen Orgelwerkes wurden im Ersten Weltkrieg abgegeben, „denn sie waren überaltert“ – und schließlich wurde das alte Werk gänzlich aufgegeben: „Die 200jährige Orgel war durch und durch defekt und kaum noch wert repariert zu werden“.
Und so kam der kleine Ort zu seiner dritten Orgel: ein neues pneumatisches Instrument auf Kegelladen mit zwei Manualen und 19 Registern der Weißenfelser Orgelbaufirma Ladegast. Es handelt sich um den letzten Orgelneubau der Fa. Ladegast. In der Ortschronik der Stadt und Parochie Orlamünde findet man im Bericht des damaligen Pfarrers Arno Matthes die näheren Umstände:

„Wohl nie hat sich ein falsches Mitleid bitterer gerächt, als in diesem Falle. Ladegast (Sohn des berühmten Ladegast) sollte und mußte den Orgelbau bekommen, wiewohl er als alter Mann von über 70 Jahren an allen Gliedern zitterte. Und was die Sache noch verschlimmerte, er hatte alles verloren. Gleich zu Beginn der Arbeit wurde ihm eine große Summe bar vorausgezahlt, daß er sich sämtliches Material, das er brauchte, hätte bezahlen können. Aber er hatte andere Löcher zu stopfen und als er hätte anfangen können, war er ärmer als eine Kirchenmaus. Ich reiste mit einem Mitglied vom Kirchenvorstand nach Weißenfels um den Betrieb anzusehen. Meine Befürchtungen wurden noch übertroffen. Wir fanden große leere Arbeitssäle, aber sahen nicht einen Arbeiter, kein Arbeitsmaterial noch weniger eine Orgelpfeife. Der alte Herr hatte ganz den Kopf verloren und verstand nicht, wie so viele andere, mit der Inflation zu rechnen. Immer größere Nachzahlungen und keine Leistungen. Schließlich nach anderthalb Jahren entsetzlicher Not konnten wir einen seiner früheren Vorarbeiter verpflichten, sich an die Arbeit zu machen, indem wir die Bezahlung ihm unsererseits garantierten. Dieser war fleißig und geschickt und fast 2 Jahre nach Beginn konnte endlich die Arbeit übel und böse abgeschlossen werden.

Kirchenmusiker Köhler aus Saalfeld war unser Sachverständiger, der sowohl die Disposition und den Kostenanschlag geprüft als nun auch den Neubau abzunehmen bereit war. War das ein Jammer! Köhler war herzensgut und von großem Mitleid mit dem Manne erfüllt, aber er trug doch die Verantwortung der Gemeinde gegenüber. Mit übermenschlicher Geduld monierte er Fehler um Fehler und gewährte Ladegast am Ende noch eine Frist von soviel Tagen er wünschte und kam dann wieder. Nachdem die ganze Orgel nochmals durchgeprobt und zahlreiche Korrekturen veranlaßt hatte, schrieb er den Gutachten, durch das er die Orgel abnahm.

Für unseren Orgelstock hatten wir seit 1919 ununterbrochen gesammelt, nun waren es Hunderttausende, die wir aufgewandt, alles freiwilliger Gaben. Ob Ladegast dabei etwas verdient, bezweifle ich. Er kam eben immer spät.

Am 20. Sonntag nach Trinitatis konnte die Orgel eingeweiht werden und am Nachmittage gab Kirchenmusikdirektor Köhler mit seinem äußerst tüchtigen Kinderchor ein sehr gutes Kirchenkonzert zu dem die Besucher von weit her gekommen und wohl befriedigt heimgingen. […]“

Die Unzulänglichkeiten des notdürftig erstellten Instrumentes ließen nicht lange auf sich warten. Die Pneumatik war, um nur ein Beispiel zu nennen, anstelle aus Blei teils aus Pappe gebaut worden! Dass das Orgelwerk überhaupt spielbar blieb verdankten die Orlamünder vor allem einem ihrer Bürger, der mit Geduld und Erfindungsreichtum immer wieder Reparaturen ausführte und das Instrument 1954 auch umdisponierte.

1992 entschloss man sich, nach der Beurteilung des Zuständigen Orgelsachverständigen schließlich zu einer freien Rekonstruktion auf den Zustand des Orgelbauers Voigt. Prospekt und Gehäuse, sowie einige Holzpfeifen und die Bälge von 1782 konnten übernommen werden, das übrige Instrument wurde nach historischen Vorbildern (Laasdorf) neu angefertigt. Durch den noch originalen „lebendigen Wind“ und die Annäherung an die originale Disposition eignet sich die Orlamünder Orgel mit ihrem frischen und farbenreichen Klang besonders für die Musik des Barock bis zur frühen Orgelromantik.

„Möge sie auf Jahrhunderte hinaus die Gemeinde erbauen und zum Herrn Christus führen helfen.“
Pfarrer Matthes über die letzte Orgel der Firma Ladegast

Informationsblatt zur Orgel in Orlamünde

Disposition Marienkirche Orlamünde

Bilder der Rösel & Hercher – Orgel in Orlamünde

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