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Leipzig

Leipzig

Ort, PLZ: Leipzig, 04109

Standort: Lutherkirche

Baujahr: 1888

Erbauer: Kreutzbach, Richard

Art der Arbeiten: Restaurierung

Jahr der Überarbeitung: 2000

System: pneumatische angesteuerte Schleifladen

Werke: Hauptwerk und Nebenwerk C-f´´´ und Pedal C-d´

Registeranzahl: achtundzwanzig

Winddruck: 78 mm WS

Stimmtonhöhe: 442 Hz bei 15°C

Stimmungsart: gleichstufig temperiert

Gründung der Firma durch Urban Kreutzbach. Während seiner Wanderjahre kommt Urban Kreutzbach um das Jahr 1821 nach Pegau zum Orgelbaumeister Carl Gottlob Häcker. Er wird als Geselle eingestellt. Als gesichert kann gelten, daß Kreutzbach an der Erbauung der Orgeln in Schönau und Prießnitz mitwirkte. Um 1822 verlegt Häcker seine Werkstatt nach Borna und nimmt Urban Kreutzbach mit. Hier erarbeitet er sich auch den Meisterbrief. Im Jahre 1828 macht sich dann Urban Kreutzbach selbständig und richtet sich seine Werkstatt neben der Superintendentur am Kirchplatz ein. Sein erstes Orgelwerk (opus 1) ist für die Dorfkirche in Dittmannsdorf bestimmt. Es handelt sich dabei um ein einmanualiges Orgelwerk mit zehn Stimmen. Im Laufe der Jahre entstehen eine große Anzahl von guten Orgelwerken, z.B. in Wiederau (1831), in Costewitz (1836), in Witznitz (1838) und in Regis (1841). Sein erstes größeres Orgelwerk entsteht 1842 für die Stadtkirche St. Nikolai in Waldheim. An ihr arbeiten auch die Gesellen Friedrich und Christlieb Ladegast mit, die später selber ihre eigene, später weltberühmte Orgelbauwerkstatt in Weißenfels errichteten. Nach und nach vergrößern sich Kreutzbachs Orgelwerke und es entstehen fast nur noch zweimanualige Werke. Desweiteren ist er mit der Pflege der Silbermann-Orgeln in Rötha betraut und führt mehere Restaurationsarbeiten durch, so an der Hildebrand-Orgel in Störmthal. Ein weiterer Erwerbszweig war für Urban Kreutzbach die Tätigkeit als Tischler, die mit half, seinen Erwerb zu sichern. So erhält er 1829 den Auftrag von der Stadt Borna, die Tischlerarbeiten für die neue Knabenschule (heute: Stadtbibliothek) auszuführen. Doch sein Hauptaugenmerk liegt auf der Errichtung neuer Orgelwerke. So entstehen noch viele hervorragende Orgelwerke in Döbeln (1844), in Geithain (1848), in Pegau (1851), in Kitzscher (1856), in Lausigk (1861), in Ziegelheim (1865) und in Eibenstock (1868). Sein letztes Orgelwerk war für die Stadtkirche Borna bestimmt. Die Einweihung im Jahre 1869 erlebte er leider nicht mehr. In seiner Schaffensperiode entstanden etwa 130 neue Orgelwerke in Sachsen und Thüringen. Dazu kommen noch eine Unzahl von Restaurationen und Umbauten. Schon bei seinem ersten Orgelwerk in Dittmannsdorf wurde er gelobt für sein Orgelwerk, das ,,einen schönen, reinen und zarten Ton“ vorweist. Diese Anerkennung blieb ihm bis zu seinem letzten Orgelwerk erhalten. Die Weiterführung durch Richard (und Bernhard) Kreutzbach Nach dem Tod des Vaters übernehmen die beiden ältesten Söhne, die schon als Gesellen bei ihm arbeiteten, die Firma. Jedoch kommt es im Laufe der Jahre zum brüderlichen Zwist und Bernhard zieht sich aus den Geschäften der Firma zurück. Seitdem ist er verschollen. Die beiden Brüder stellen gerademal zehn neue Orgelwerke her, so im Dom zu Meißen (1870), in Johanngeorgenstadt (1872), in Pulgar (1873), in Frauenstein (1873) und in Gohlis b. Leipzig (1874). Richard führt alleine die Geschäfte der Orgelwerkstatt weiter und läßt bald mit Neuigkeiten im Orgelbau aufhorchen. 1883 baut er für die Kirche in Leipzig-Lindenau das erste vollständig pneumatisch betriebene Orgelwerk in Sachsen. Dies war eine Revolutionierung im Orgelbau des 19. Jahrhunderts. Es entstehen nun nur noch pneumatische Orgelwerke, und sie werden immer größer. Hat der Vater noch mit einmanualigen Orgelwerken mit zehn Stimmen begonnen, so stellt Richard jetzt dreimanualige Orgelwerke her mit dreißig und mehr Stimmen, wie in Pößneck. Diese besitzt drei Manuale und 39 Stimmen. Nach einer Erweiterung durch die Orgelbaufirma Jehmlich auf 53 Stimmen ist sie noch heute die größte Orgel im Regierungsbezirk Gera. In der Folgezeit entstehen noch weitere hervoragende Orgelwerke in Greiz (1885), in Gera (Johanneskirche, 1885, dabei gewann er die Ausschreibung gegen die Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt/O.), in Leipzig (Lutherkirche, 1886/1888), in Sonneberg/Thür. (1890) und in Penig (1892). Sein letztes Orgelwerk baute er für die Dorfkirche in Seifersdorf bei Döbeln. Am 21. 06. 1903 verstarb Richard Kreutzbach und wurde auf dem neuen Friedhof Borna an der Leipziger Straße beigesetzt. Leider ist seine Grabstätte, wie die des Vaters, nicht mehr vorhanden. Die Nachfolgefirma „Schmidt & Berger“ Seine ehemaligen Mitarbeiter Wilhelm Schmidt (1867 – 1945) und Wilhelm Berger (1863 – 1929) führten die Firma unter dem Namen ,,Schmidt & Berger (Kreutzbach & Söhne Nachf.)“. Ihr erstes Orgelwerk entstand für das Seminar in Frankenberg. Jedoch war der Firma kein langes Leben beschieden. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflationszeit stagnierte der Orgelbau in ganz Deutschland. Wilhelm Schmidt führte noch bis ins hohe Alter gelegentlich Restaurationsarbeiten aus. Die bis jetzt bekannten Orgelwerke aus der Werkstatt ,,Schmidt & Berger“ sind: Deutzen (1904 / heute Netzschkau/V.), Roda (1905), Schönau (1906), Kleinpötzschau (1907), Wellerswalde (1908), Leipzig – Eutritzsch (1909) und Politz.
Autor: Thomas Bergner

Chemnitz-Gablenz (09126), St. Andreas 1889, Ev.-luth. +-

1889 Neubau durch U. Kreutzbach Söhne, Borna
(25/II+P, Schleifladen, pneum. Traktur) vgl. auch: {Oehm-1978/3, S. 274-275}
Nach [Mitt. der Fa. A. Schuster & Sohn, Zittau, Dezember 1995] und K. Walter: pneumatische Traktur.

Die heute unter Denkmalschutz stehende Orgel der Lutherkirche gehört zu den seltenen Instrumenten, welche die herkömmlichen mechanisch arbeitendenden Schleifladen mit pneumatischer Traktur verbinden. Im Vergleich zu anderen Orgelbaufirmen, die erst nach 1890-1895 mit dem Bau  pneumatischer Orgeln begannen, war dieses Instrument (erbaut 1888), und mit ihm die Fa. Kreutzbach, ihrer Zeit technisch ein gutes Stück voraus.Von Richard Kreutzbach sind heute nur noch vier Orgeln in dieser Bauweise erhalten, nämlich in Chemnitz/ Schönau(1886 Neubau durch U. Kreutzbach Söhne, Borna
(21/II+P) Baujahr nach Oehme: 1885Orgelbaufirma AnsehenLöschen
1978
Die Orgel ist erhalten.
(21/II+P) AnsehenLöschen
1996
Die Orgel ist erhalten.
(21/II+P) AnsehenLöschen) Ehrenfriedersdorf (1889
(32/II+P, Schleifladen, pneum. Traktur) Nach Oehme: mech. Spieltraktur), Penig (1892) und Leipzig.Die Technik des Orgelwerkes ist ungewöhnlich und ausgesprochen interessant, da das Instrumetn zwei Konstruktionen vereint, die sonst nicht zusammen angewandt wurden. Die Windladen sind als damals gebräuchliche Schleifladen gebaut.

Knapp zwei Jahre nach der Einweihung brach ein Brand in der Kirche aus. Der Dachstuhl der Kirche stürzte ein und das Kircheninnere erlitt großen Schaden. Durch viele Spenden war es möglich Kirche und Orgel bereits 1888 neu zu weihen. 1936 erfuhr das Instrument eine einschneidende Umdisponierung und klangliche Anpassung im Sinne der damaligen Orgelbewegung. Die damals beauftragte Fa. Eule aus Bautzen bemühte sich jedoch möglichst viel originales Pfeifenmaterial zu erhalten bzw. wieder zu verwenden. Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirch stark beschädigt, durch das eindringende Regenwasser wurde das Instrument stark in Mitleidenschaft gezogen, umso erstaunlicher ist es, dass die Windladen diese Beeinträchtigungen nahezu unbeschadet überstanden haben. Dies spricht für die hohe handwerkliche Qualtität der Arbeit von Richard Kreutzbach. Im Mai 1999 konnten die Restaurierungsarbeiten beginnen. Schon im Vorfeld kam die Frage auf,ob man die Kreutzbach-Orgel in ihrer bisherigen Disposition vom Umbau 1936 belassen oder die ursprüngliche Ausführung von 1886 wieder herstellen sollte. Auf Empfehlung des Orgelsachverständigen des Landesamtes für Denkmalpflege, Herrn Hodick, wurde entschieden, die Orgel in ihren Urzustand zurückzuführen. Immerhnin war das Pfeifenmaterial von 15 Registern noch original vorhanden. Die übrigen Register mussten in Bauart, Mensur und Material  nach Kreutzbach’schem Vorbild rekonstruiert werden. Auf Anregung der Organistin der Lutherkirche und nach Beratung mit der Sachverständigen sind drei Register aus der Disposition von 1936 übernommen worden. Dies geschah, um das völlige Fehlen ovn 2-Fuß- und Aliquot-Registern bei der 1886er Disposition auszugleichen. Die Orgel erhielt so einen etwas erweitereten Spielraum für die klanglichen Bedürnisse unserer Zeit, ohne jedoch ihr typisch romantisches Kolorit einzubüßen.

Der Entwurf des Orgegehäuses erfolgte vermutlich durch den Architekten der Lutherkirche Julius Zeißig.

Informationsblatt zur Orgel der Lutherkirche in Leipzig

Bilder zur Orgel in Leipzig

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